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Breed77 - Insects
Label: Ear Music | Vertrieb: Edel | VÖ: 21.05.2010 | Format: CD |
Genre: Rock / HeavyMetal
von Eddie

Das letzte Album “In My Blood / En Mi Sangre” von Breed77 ist mit einer Zeitspanne von vier Jahren ganz schoen lange her. Warum sich die Herren immer wieder mindestens zwei Jahre Zeit nehmen, um ein komplett neues Album zu releasen ist mir zwar schleierhaft, wird fuer mich durch “Insects” aber aktuell gerechtfertigt.

Zur CD selbst: So leid's mir tut, aber das Intro und die Wahl des Openers sind aus meiner Sicht nicht sehr gelungen. Zwar gibt es einen ganz klaren Bezug zwischen den beiden (anfaenglich hoert man eine Uhr ticken, dann jede Menge Wecker klingeln und danach startet die Nummer “Wake Up”), aber das haette man auch energetischer gestalten koennen. Einfach durch irgendwas, das mehr auf's Gaspedal tritt! Nichtsdestotrotz gefaellt mir der Track, was in diesem, ersten Moment aber auch durchaus am Sound lag. Der ist naemlich wirklich fett. Vor allem die Toms des Drumsets klingen richtig maechtig und sind mit das Lauteste am Mix. Sehr gute Abeit. Trotzdem haette dieses Album einen anderen Opener verdient. Vor allem weil nach oben erwaehntem Intro mit Beginn des ersten Tracks erstmal das Tempo rausgenommen wird, bevor die Nummer richtig startet. Aber genug der Kritik, denn der Rest des Album hat das ueberhaupt nicht verdient. Waehrend sich bei “Wake Up” noch ganz klar Parallelen zu den Breed77 der “In My Blood / En Mi Sangre” Zeit ziehen lassen (auch wenn das Gitarrensolo schon durchaus positiv auffaellt) zeigt “The Battle Of Hatin” bereits ganz klar eine starke Entwicklung mit vielen Fortschritten auf. Mit Oscar Preciado Zamora – dem neuen Mann am Schlgazeug – hat man bestimmt keinen Fehler gemacht. Beide Gitarristen scheinen Einiges dazu gelernt zu haben (lasst uns einfach mal behaupten dass der Bassist da mitgezogen hat) und Paul Isola hat sich seinen Charakter in den Vocals nicht nur bewahrt, sondern um mehrere sehr interessante Facetten erweitert. Insgesamt geht der eingeschlagene Weg von Breed77 etwas weg von den spanischen Wurzeln Gibraltars und ganz klar in Richtung Metal. Gitarren und Gesang weisen einen fuer diese Band neuen Grad an Heaviness auf. Nichtsdestotrotz gibt es sie durchaus noch: Die akustischen Gitarren, die Rythmen und die Songfragmente, eben die spanischen Elemente, die man von dieser Band gewohnt ist und die sie in erster Linie so einzigartig macht. Der neue Crossover den man hier faehrt gefaellt mir sehr gut und im Zusammenhang mit den Texten kommt alles diesmal etwas glaubwuerdiger rueber als zuvor. Zugegebenermassen fand ich den Gedanken der Texte bei “En Mi Sangre” zwar total cool, dachte mir aber ab und zu, dass die Englisch-Kenntnisse des Songwriters doch nicht all zu weit reichen. Inzwischen weiss ich, dass die Jungs in London angesiedelt sind und schaeme mich etwas fuer diese Meinung. Wie auch immer...

Im Refrain von “The Battle Of Hatin” beziehungsweise eigentlich sogar schon im Pre-Chorus ist es um mich geschehen. Episch. Text und Musik gehen eine Symbiose ein, die Gefuehle ziemlich gezielt transportiert. Mit “Revolution On My Mind” knuepft man dort nahtlos an. Ich weiss gar nicht, welchen der beiden Songs ich als besser empfinde. Eigentlich immer den, den ich gerade hoere. Auch “Insects” steht Track zwei und drei in Nichts nach. Bei Breed77 habe ich immer wieder den Eindruck, dass man bestimmte Stellen (meistens Strophen) mit voller Absicht nicht ganz so interessant gestaltet, wie man es haette tun koennen, damit alle anderen Teile noch mehr ins Gesicht klatschen. Man vergleiche mal die erste Strophe des Tracks “Insects” mit dem Rest dieses gewaltigen Stuecks Musik! Ist wahrscheinlich auch der Grund dafuer, dass dieser Teil so selten bzw. kurz drin vorkommt.

“Who I Am” ist ein perfektes Beispiel fuer Breed77 und deren Symbiose diverser Musiktile. Der Beginn ist komplett Metal. Das haelt dann bis zur Strophe an, die sich aus diesen typischen, mehr als nur spanisch-angehauchten und an Flamenco erinnernden, akustischen Gitarren und den dazugehoerigen suedlaendischen Rythmen zusammensetzt. Gefolgt wird das von einem relativ vertrackten Pre-Chorus mit viel Text, der zu einem Halftime-Refrain fuehrt, bei dem man sich nicht sicher ist, ob die Musik den Text unterstreicht, oder der Text lediglich die Musik kroent. “New Disease” stellt fuer mich ein weiteres Highlight des Albums dar. Der wohl facettenreichste Song auf “Insects”. Eine Strophe wie oben beschrieben, ein Text, den ich fuer richtig, richtig gelungen halte, ein maechtiger Refrain, ein interessanter Zwischenteil, in dem eine Flamenco-Gitarre mit einer E-Gitarre kommuniziert um sich dann schließlich in einem gekonnten Solo zu kanalisieren (geiler Uebergang!), das kurz danach in ein fettes Solo ausartet, in dem auch der Drummer zeigt was er kann und zum Ausklang wird der Refrain wiederholt und variiert. Weltklasse! Mit “One More Time” ist man bei meinem Lieblingslied von “Insects” angekommen. So genau begruenden kann ich das gar nicht, aber es war der erste Track, der richtig in meinen Gehoergaengen kreiste und er tut es immer noch. Mag auch am Tapping im Hintergrund des letzten Refrains liegen. Mit sowas kriegt man mich immer. Auch in diesem Track findet man alles vor, was Breed77 ausmacht. Track acht birgt eine Ueberraschung: Ein Instrumental-Track, der Streicher beinhaltet. Fuer mich ist das Breed77's eigenes “Call Of Ktulu”. Ebenfalls sehr gelungen. Anhoeren.



“Forever” erinnert auf einmal wieder total an “In My Blood / En Mi Sangre”. Ein sehr klassischer Breed77-Song. Auch “Guerra Del Sol” haette meiner Meinung nach noch gut auf das Vorgaenger-Album gepasst, ist fuer mich jetzt auch kein Highlight, ist aber trotzdem durchaus gut und vor allem ein sehr guter Abschluss des Albums. Was uns zu dem Bonustrack bringt, der gar keiner ist. Nach langem Bemuehen der Fans hat es das Breed77 Cover des Songs “Zombie” (im Original von The Cranberries) nun auf ein Album geschafft. Zu Recht. Viel wurde nicht wirklich veraendert, da man das mit dieser Nummer auch nicht tun sollte und das sage ich, obwohl ich mir ein Gesetz wuensche, das es verbietet diesen Song bei “Open Mic Sessions” zu singen oder ihn in Coverbands zu spielen. Hauptproblem ist hierbei immer, dass man es bei der Frontfrau von The Cranberries mit einer einzigartigen Saengerin im wahrsten Sinne des Wortes zu tun hat. Breed77 umschiffen das allerdings gekonnt durch Variationen der urspruenglichen Gesangsspur, die durchaus was fuer sich haben und geben dem Song obendrauf noch mehr Gewalt und dadurch etwas mehr... ... ... Revolutionsgedanken? Wie auch immer. Ich kann das Lied im Original nicht mehr hoeren, weil man es erstens viel zu oft und zweitens viel zu oft falsch gehoert hat. Jetzt gibt's eine Version, die ich mir wieder anhoeren kann ohne wegrennen zu wollen. Schliesslich ist das Lied echt tiefgruendig und ein gutes Stueck Musik. Es ist nur deswegen nicht in den Anspieltipps vorhanden, weil es sich um ein Cover handelt, das nicht zu entscheidenden Teilen veraendert wurde.

Anspieltipps:
02. The Battle Of Hatin
03. Revolution On My Mind
04. Insects
06. New Disease
07. One More Time

Fazit: Sehr gelungenes Album, mit dem Breed77 sich nun mit vielen anderen Bands messen koennen! Das erreichen die fuenf Bandmitglieder indem sie ihre enge und wahrscheinlich selbst gestaltete Sparte zu einem grossen Teil verlassen und ihren eigenen Stil in neue Gefilde navigieren. Verstecken muessen sie sich dabei vor niemandem. Im Gegenteil. Musikalisch ist “Insects” nahezu hervorragend und die Texte stellen fuer mich ein Werk dar, das ich in dieser Art bei vielen anderen Bands dieser Musikrichtung inzwischen vermisse: Frontal gegen Unmenschlichkeit und Krieg mit der Bereitschaft eine Revolution einzugehen. Urspruenglich waren das wichtige Bestandteile des Rock n' Roll, zumindest des spaeteren. (Eddie)

(Gesamtspielzeit: 11 Tracks, ca. 57 Minuten)