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Horace Andy - Serious Times
Label: minor7flat5 | Vertrieb: Groove Attack | VÖ: 25.06.2010 | Format: CD |
Genre: Reggae / Rootsreggae / Dub
von dr.öge

Naaa, ist es Euch auch viel zu heiß bei diesen Temperaturen in Deutschland? Knapp 40°, keine Klimaanlage und der Venti läuft auf Hochtouren? So könnt Ihr für Abkühlung sorgen: Macht Euch ein eiskaltes Fußbad mit Eiswürfeln und ein paar Duftstoffen, mixt Euch einen Cocktail (oder auch einen Mocktail ohne Alkohol) und legt "Cool It Down" von Horace Andy ein! Denkt bitte an uns, wenn Ihr das in die Tat umsetzt ...

Aber im Ernst, diese neue Scheibe paßt perfekt in die heiße Jahreszeit! Reggae-Urgestein und Topvocalist Horace Andy hat kürzlich sein neues Soloalbum "Serious Times" veröffentlicht, das wie immer von seinen außergewöhnlichen Gesangsqualitäten lebt und mit allen Facetten des Rootsreggae spielt.

Wie jetzt, Horace Andy, kenn ich überhaupt nicht? Das kann eigentlich kaum sein, wenn man sich allgemein für relaxte Musik oder Rootsreggae speziell interessiert. Bei Massive Attack ist Horace Andy als Dauer-Gastmusiker und Live-Sänger auf den Konzerten schon fast fester Bestandteil der Gruppe, auf dem letzten Album war er unter anderem in "Splitting The Atom" zu hören:



Im Lauf seiner vier Jahrzehnte umfassenden Musikerkarriere hat Horace mit den unterschiedlichsten Größen des Biz zusammen gearbeitet, darunter auch King Tubby, Sizzla, Capleton, Bounty Killer, Mad Professor, Dub Pistols, Sly & Robbie oder Anthony B. Zudem hat er in den letzten vierzig Jahren etliche Soloplatten im Bereich Reggae und Dub veröffentlicht, darunter frühe, legendäre Studio One Hits wie "Ain't No Sunshine" (im Original von Bill Withers), "Mr. Bassie" oder "Sky Larking".

Zur CD selbst: der neue Longplayer "Serious Times" bringt Euch die volle Packung Rootsreggae! Das Album lebt in erster Linie von Andy's undglaublicher Stimme und seinen Qualitäten als Songwriter. Als praktizierender Rastafari geht es bei Horace Andy in vielen Songs um die damit verbundenen Themen, um Glauben, Weisheit, Jah, Haile Selassie, Babylon, usw. Nun muss man kein Rasta sein, um an den interessanten und allgemein verständlichen Lyrics Gefallen zu finden. Für Reggaemusik sollte man aber schon ein Faible haben, denn die 15 Songs sind wirklich purer Rootsreggae, von Anfang bis Ende. Reine Massive Attack Fans sind hier höchstwahrscheinlich falsch! Dennoch ist es eine Scheibe für Jedermann, so lange man dem Reggae nicht abgeneigt ist. Solltet Ihr gar zu denen gehören, die Bob Marley's "Legends" Ihr Lieblingsalbum nennen, dann ist diese Platte ein absoluter Pflichtkauf.

Mit viel Melodie, charismatischem Gesang, lässigen Lyrics und unterschiedlicher Instrumentierung spielt sich Horace Andy in 15 Tracks durch alle Phasen des Rootsreggae und liefert mit "Serious Times" ein hervorragendes Album ab, das man immer wieder genüßlich von Anfang bis Ende genießen kann. Im Opener und gleichzeitigem Titeltrack "Serious Times" sind es die Lyrics, die das Interesse wecken, ebenso in "Life" und "Rasta Words". "Crazy" oder "Troddin" hingegen setzen auf melodische Rootspop-Ohrwürmer, des weiteren wird oftmals schön mit teils weiblichen Backgroundvocals gearbeitet ("Your Friend"). Nimmt man die Keyboardklänge und besonders die Art, wie die Drums gespielt werden, gleicht das doch stark The Wailers und tatsächliche klingen manche Stücke ("Give It Up", "Rumors Of War") am Anfang zum verwechseln ähnlich. Lediglich die Dub-Einflüsse ("Rastafari") und die klare Produktion sorgen bei Horace Andy für einen deutlich zeitgemäßeren Sound, doch die Parallelen zu den alten Klassikern sind nicht zu überhören. Wer sich für die alten Bob Marley Hits begeistern kann aber evtl auch etwas neueren Rootsreggae und Dub mag, der ist hier sowas von richtig!



Das gesamte Album bewegt sich auf einem hohen Niveau und es findet sich kein einziger Filler, nichts, was man weiter skippen möchte. Dennoch stechen zwei Songs komplett hervor: zuerst "False Witness", bei dem das Keyboard wie ein Saxophon klingt, was dem Song in Kombination mit Sleepy's Stimme einen besonderen Charme verleiht. Eingängister Song des Albums ist jedoch mit Sicherheit das darauf folgende "Cool It Down", das wirklich das Zeug zum Hit oder gar Klassiker hat. Einmal gehört, bekommt man es nicht mehr aus dem Ohr und der Titel passt ja gerade besser den je ...

Anspieltipps:
01. Serious Times
04. False Witness
05. Cool It Down
12. Rasta Words

Fazit: Hier waren Perfektionisten am Werk! Dass Horace Andy ein ausgezeichneter Sänger ist, ist eh klar, doch erst die bis ins Detail stimmigen Produtkionen machen "Serious Times" zu einem kommenden Reggaeklassiker, der stellenweise musikalisch stark an Tosh und Marley erinnert aber insgesamt deutlich zeitgemäßer klingt. Für Rootsreggaejunkies und Bob Marley Fans unverzichtbar! (dr.öge)

(Gesamtspielzeit: 15 Tracks, ca. 63 Minuten)
Für Fans von ..
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Barrington Levy, U-Roy, Bob Marley, Peter Tosh, Silly Walks Movement